Der Mann, der die Kreuzfahrt umkrempelte - und vorher nie selbst Gast war
31. Mai 2026
Ahoi, Ihr Lieben!
Manchmal führt man ein Gespräch mit jemanden und merkt schon nach wenigen Minuten: Das wird kein normales Gespräch. So ging es mir mit Richard J. Vogel, den ich für Folge 25 des Morr & Meer Kreuzfahrt-Podcasts ans Mikrofon geholt habe. Vogel hat AIDA als Marketing- und Vertriebschef in den Anfangsjahren geprägt und später TUI Cruises gegründet - und damit, wenn man so will, gleich zweimal die neue deutsche Kreuzfahrt mitgeschrieben. So würde ich sie nennen - diese Phase, die 1996 mit dem Start der ersten AIDA begann. Rund 80 Minuten sind es geworden. Hier kommt, was ganz besonders hängengeblieben ist.
Erst die Fähre, dann die Flotte
Was ich nicht wusste, bis Vogel es selbst erzählte: Als er 1996 bei AIDA anfing, hatte er noch nie eine Kreuzfahrt gemacht. Seine einzige Begegnung mit dem Wasser, so sagt er, war eine Fähre von Senegal nach Gambia. Gereizt hat ihn nicht das Schiff, sondern das Konzept - Cluburlaub auf dem Wasser. Allerdings: Die Lage war alles andere als rosig: Fünf, sechs Tage vor der Taufe des ersten Schiffes gab es für die gesamte Saison 1996 gerade einmal 1.500 Buchungen - damals zählte man Passagiere, nicht Kabinen. 900 davon nur in Option. Man verzichtete in den ersten Jahren auf dem Katalogtitel komplett auf das Schiff, weil die Urlaubsphilosophie im Vordergrund stehen sollte, nicht die Hardware.Und man holte über 10.000 Reisebüro-Mitarbeiter in der ersten Saison aufs Schiff - lieber das Geld in die Verkäufer als in bunte Anzeigen stecken.
Vier Stunden Präsentation, kein PowerPoint
Wer so anfängt, den schreckt später wenig. Eine der besten Geschichten des Gesprächs ist für mich die Gründung von TUI Cruises - und wie schnell das ging. Nachdem ein erstes geplantes Joint Venture am Kartellamt gescheitert war, fand sich mit Royal Caribbean ein Partner. Den entscheidenden Termin in Miami bestritt Vogel dann notgedrungen im Alleingang - der Kollege hatte den Flieger verpasst, und ausgerechnet auf dessen Laptop lag die Präsentation. Also referierte Vogel vier Stunden lang frei, was er vorhatte. Es funktionierte. Und dann ging alles ganz schnell: Eingetragen wurde die Gesellschaft im April 2008, die erste Pressekonferenz folgte eine Woche später - mitten in der Finanzkrise. Von der Gründung bis zum ersten Passagier vergingen gerade einmal 13 Monate. In dieser Zeit entstanden Preissystem, Reservierungssystem und Katalog, und ein gebrauchtes Schiff wurde von Grund auf umgebaut. Man stelle sich das mal vor.
Vielfahrerprogramm? Nicht mit Vogel!
Was mir besonders gefallen hat, war Vogels Nüchternheit beim Thema Kundenbindung. Das Premium-All-inclusive bei Mein Schiff, heute selbstverständlich, war keine Idee aus dem Bauch heraus, sondern das Ergebnis von vier Testreisen mit unterschiedlichen Zielgruppen. Das Resultat: höhere Preisbereitschaft, höhere Zufriedenheit. Erst dann führte man es ein. Und beim heute oft gewünschten Vielfahrerprogramm wird Vogel deutlich: Er wollte nie eines. Seine Begründung sitzt: Warum sollte man den Vielfahrern einen Rabatt gewähren, den am Ende der Neukunde zahlt?
Die beste Kundenbindung sei ohnehin eine andere: das Produkt liefern, das man verspricht, und noch ein bisschen besser sein. Auch in die Zukunft schaut er klar: Den Markt sieht er weiter wachsen, gebremst weniger durch fehlende Nachfrage als durch Geopolitik, Overtourism und Nachhaltigkeit. Eine neue Reederei würde er heute konsequent auf Zero Emission bauen - und nicht zuerst über Größe reden.
Sind Mein Schiff Relax und Mein Schiff Flow nicht viel zu groß - das habe ich den Mann auch gefragt, der einst sagte, die Größe der Mein Schiff 3 sei die maximal Größe eines Schiffs für sein Wohlfühlkonzept. Aber dafür müsst Ihr reinhören - entweder auf YouTube - oder unter http://morr.de/pod.
Bis nächste Woche - spätestens,
Euer Matthias
Vier Nächte Donau im November - Wer kommt NOCH mit?
Manchmal sind es ja die kompakten Reisen, die hängenbleiben. Vom 14. bis 18. November 2026 bin ich mit Euch auf der Viva Enjoy unterwegs - ab/bis Wien, einmal die Donau runter und wieder hoch. Auslaufen in Wien, am Sonntagvormittag durch Vac, dann anderthalb Tage Budapest mit Übernachtung direkt an der Kettenbrücke - das hat schon was. Nachmittags in Bratislava, am Mittwochmorgen zurück in Wien.
Die Enjoy ist von 2024 und gehört für mich zu den schönsten Schiffen, die aktuell auf den europäischen Flüssen fahren. All-Inclusive an Bord, freie Tischwahl- eben das, was so eine Flussreise eigentlich ausmachen sollte. Los geht’s bei 750 Euro pro Person im Doppel auf dem Smaragd Deck. Kabinen zur Einzelbelegung sind aktuell weg - dafür gibt’s eine Warteliste. Alles Weitere und das Buchungsformular hier:
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