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Morrletter #256

Trinkgeld auf Kreuzfahrt streichen? Besser nicht!

14. Juni 2026

Ahoi, Ihr Lieben!

Wobei in dieser Woche „Ciao“ besser passen würde - ich bin in Triest auf der neuen Mein Schiff Flow - noch bis Mittwoch. Nicht ganz so spannend, wie letztes Jahr die Relax - weil das Schiff ja baugleich ist - aber natürlich wichtig für den deutschen Markt. Punkt 9 Uhr konnte auch mein langer Morr-Rundgang online gehen - anders als im Februar 2025 dieses Mal bei bestem Sommerwetter gedreht.

Trinkgeld gestrichen? Das trifft die Falschen

Euro banknotes fanned out, showing denominations.

Mir ist dieser Tage das Tagebuch eines Kabinenstewards untergekommen - einer, der seit Jahren auf See arbeitet und aufschreibt, wie das Leben an Bord wirklich ist. Ein Eintrag ist hängengeblieben bei mir: Auf seiner letzten Reise haben drei Kabinen die Trinkgelder gestrichen - alle drei zufrieden mit dem Service, eine hatte ihm sogar bar etwas zugesteckt. Das Streichen sei inzwischen fast ein Sport geworden, schreibt er - mit der Folge, dass bald nur noch Anfänger die Kabinen machen, weil die erfahrenen Stewards das auf Dauer nicht mitmachen.

Sein Punkt, den ich für entscheidend halte: Wer das Trinkgeld streicht, schadet nicht der Reederei - sondern dem Crewmitglied. Er erklärt das mit einem schönen Bild. Stell dir vor, die Milch im Supermarkt kostet plötzlich 3,50 Euro statt 4 - die fehlenden 50 Cent zahlst du aber an der Kasse, damit der Laden seine Leute bezahlen kann. Andere Läden ziehen nach, weil die Milch im Regal billiger aussehen soll. Und dann gibt es die, die schon immer 7 Euro verlangt haben - die müssen an der Kasse nichts draufschlagen und schauen entspannt zu, wie sich der Ärger über die anderen ergießt. Genau das sind die Trinkgelder an Bord. Deshalb gehören sie für mich schlicht zum Reisepreis dazu.

A crumpled one-dollar bill lies on a wooden table.

Für viele bei uns ist das ohnehin eher ein theoretisches Problem - bei AIDA steckt das Serviceentgelt im Reisepreis, bei Mein Schiff ist das Trinkgeld inklusive. Heikel wird es vor allem auf den internationalen Schiffen, wo täglich etwas aufs Bordkonto läuft, das man theoretisch streichen könnte. Und falls ihr das wirklich wollt: Macht es am ersten Tag, nicht heimlich am letzten. Dann weiß der Steward wenigstens, woran er ist.

Und noch etwas aus dem Tagebuch, das ich so unterschreiben würde: Wenn euch ein Steward erzählt, er bekomme von der täglichen Pauschale nichts ab, und ihr solltet ihm lieber direkt bar etwas zustecken - dann wäre ich vorsichtig. Die Pauschale wird nämlich in aller Regel aufgeteilt, und zwar nicht nur auf den Kabinensteward, sondern auch auf die vielen, die man als Gast nie zu Gesicht bekommt - Wäscherei, Spülküche, all die, die im Hintergrund für kleines Geld schuften. Wer das Bargeld lieber in die eigene Tasche des Stewards lenkt, statt es über die Pauschale laufen zu lassen, kürzt am Ende genau bei denen, die ohnehin am wenigsten abbekommen - keine gute Idee!

Bis nächste Woche - spätestens,

Euer Matthias


Kommt mit auf die Donau - 14.-18.11.2026

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morr.de/donau-26

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