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Morrletter #73

AIDAs missglückte Neustart-Versuche

30. August 2020

Ahoi, Ihr Lieben!

Ich hatte es fast schon befürchtet, aber am Freitag wurde es Gewissheit: Absage Nummer drei ist da! Wollte ich zunächst am 5. August mit AIDAperla in See stechen, nach der Absage dann am 16. August mit AIDAmar, sollte es letztlich ab dem 6. September AIDAblu werden. Eigentlich - aber am Freitag platzte auch dieser Termin für den AIDA-Neustart.

Neuer Termin: Anfang November mit AIDAmar rund um die Kanaren. Aber da bin ich erstmal raus - ich buche nun nichts mehr, mir reicht es vorläufig. Und ich fürchte für den Marktführer in Deutschland: Andere werden es so ähnlich handhaben wie ich.

Der Bogen ist einfach vielfach überspannt worden. AIDA hat sich in den letzten Wochen mehr als ungeschickt verhalten und Beziehungen zu ihren Kunden mit Füßen getreten. Nun ist AIDA ja Teil des Carnival-Konzerns - und so sind in den vergangenen Wochen eigentlich alle der sogenannten Präsidenten, die jeweils einer Carnival-Marke vorstehen, mal vor die Kamera getreten. Alle - mit einer Ausnahme - und das ist Felix Eichhorn, der Präsident von AIDA Cruises. Hier herrschte völlige Funkstille. Nach dem Motto: In der jetzigen Lage kann man sowieso nur verlieren, warum sich also in irgendeiner Form äußern?

Aus Angst, die Lage nur noch zu verschlimmern durch irgendwelche Äußerungen, hat man aber den Kern des Handeln offenbar völlig vergessen: Die eigenen Kunden. Die verdienen, dass sich die Leitung des Hauses auch mal persönlich äußert. Ich sage es gern nochmal: Allein mir wurden drei Reisen hintereinander abgesagt - das waren Reisen, die sollten trotz Corona unter entsprechenden Bedingungen stattfinden, man kann also nicht mal dem Virus die Schuld geben.

Der Neustart also nun im November - angekündigt sind Reisen rund um die Kanaren, ab Dubai und im Mittelmeer ab Palma de Mallorca. Etwas irritierend ist da die Aussage, die zuletzt zu hören war, dass Spanien beispielsweise eigentlich mitgeteilt hat, vor dem Ende der Corona-Pandemie überhaupt keine Kreuzfahrtschiffe im Land anlegen zu lassen. Aber AIDA ist wie immer „zuversichtlich, dass diese Reisen stattfinden können.“ Aber in Wahrheit ist es einfach nur eine Wette auf die Zukunft.

Angeboten werden für den Winter Reisen, von denen Stand heute nicht klar ist, ob sie so stattfinden können. Wobei es in dieser dynamischen Lage sowieso schwierig ist, Prognosen abzugeben, für etwas, was mehr als zwei Monate in der Zukunft liegt. Aber wer empfiehlt denn jetzt, diese Reisen zu buchen? Weder die Reisebüros noch ich werden es sein.

Nun hatten sich eigentlich AIDA und auch Mitbewerber TUI Cruises auf ein gemeinsames Vorgehen geeignet - über den Reedereiverband CLIA. Als erstes sollte es Kurzreisen ohne Hafenanläufe geben, dann Reisen mit ersten Anläufen und dann irgendwann wieder die normalen Katalogreisen. Warum das nun bei AIDA nicht geklappt hat, bleibt unklar, nachdem der Start ja eigentlich so gemeinsam geplant war. Von Schwierigkeiten mit dem Flaggenstaat Italien war zwischendurch mal zu hören.

TUI Cruises hingegen setzte das Konzept so um, wie gemeinsam angedacht. Und seit Ende Juli wird das so durchgezogen. Durchaus mit positivem Feedback von den Kunden, wenn auch teilweise weit unter der zur Zeit maximal möglichen Auslastung. Am Ende wird es TUI Cruises aber helfen - so bin ich mir sicher - jeden Monat weniger Geld zu verbrennen als ohne diesen Neustart.

Ab Anfang September sind bei TUI Cruises Covid-19-Tests vor dem Boarding vorgesehen, wie es auch MSC schon macht. Auch für AIDAs Schwestermarke Costa sind Tests vorgesehen, warum sie für AIDA selbst beim vierten Versuch des Neustarts bisher nicht vorgesehen sind, bleibt wieder unklar.

Aber auch für TUI Cruises wird die unmittelbare Zukunft kein Selbstläufer sein - die Herausforderung wird sein, für die Mein Schiff 1 und 2 passende Winter-Fahrtgebiete zu finden. Ist es im September noch gut vorstellbar, dass sich Gäste finden, die eine Kreuzfahrt ab Hamburg oder Kiel machen, wird es danach schon schwieriger. Mein Schiff 6 soll im September ab Griechenland fahren - so es denn das Infektionsgeschehen zulässt. Aber für Mein Schiff 1 und 2 müssten es wohl Fahrtgebiete sein, wo die Häfen aktuell - Stand heute - eben noch nicht freigegeben sind für Kreuzfahrtschiffe. Bestehende Katalogreisen dürften das vermutlich in diesem Jahr eher nicht sein - auch hier gilt es dann neue Routen aufzulegen und sie dann noch kurzfristig zu verkaufen. Und eines steht der Hamburger Reederei auch noch bevor: Die Winter-Kreuzfahrten in der Karibik, in Mittelamerika und Asien könnten eigentlich schon mal abgesagt werden. Hier ist die Rostocker Konkurrenz dann doch mal einen Schritt voraus in diesen Zeiten - immerhin!

*

Etwas später als sonst gibt es diesen Morrletter - der Grund: Ich war bis heute morgen noch auf MS Quest unterwegs - dem Expeditionsschiff, das in diesem Sommer Nordseereisen anbietet. Spannend war es - und teilweise recht schaukelig - aber mehr dann heute in einer Woche.

*

Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias


Treibholz - Meine Fundstücke der Woche 

„Sehnsucht Kreuzfahrt - Branche in schwerer See“ hieß die Sendung am Dienstag Abend im ZDF, die ganz nett war, ohne aber einen größeren Erkenntnisgewinn zu liefern für diejenigen, die tiefer im Kreuzfahrtthema drin sind. Aber das ist von einer Sendung im ZDF-Hauptabendprogramm auch nicht zu erwarten - die muss ja so gemacht sein, dass sie auch für Menschen interessant ist, die keine Ahnung vom Thema haben. Hier gibt’s das Ganze nochmal zum Angucken.

Muss ein Impfstoff kommen um die Kreuzfahrtbranche zu retten oder reichen vielleicht neue Covid-19-Schnelltests? Eine Meldung über einen neuen Test beflügelte in dieser Woche jedenfalls die Aktien der Kreuzfahrtkonzerne.

TUI Cruises hatte auf der Mein Schiff 6 mangels Gästen extrem viele Lebensmittel übrig - die spendete man nun der Tafel in Bremerhaven, wie hier zu lesen ist.

Und zum Schluss noch mal wieder ein Link für alle Achterbahnfreunde. Die „Global Dream“, die zur Zeit in Mecklenburg-Vorpommern bei MV Werften entsteht, soll ja auch eine Achterbahn bekommen. Die ist nun schon mal testweise aufgebaut worden - wie hier zu lesen ist. Die Perspektive für das Schiff hingegen ist aktuell mehr als unklar - seit dem Frühjahr besteht ein Baustopp, und der Genting-Konzern, der sowohl hinter MV Werften als auch hinter der Reederei Dream Cruises steckt, hat schwere finanzielle Probleme.

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