Alles Gute für den Neustart!
24. Juli 2020
Ahoi, Ihr Lieben!
Nanu, der Morrletter schon am Freitag? Das ist eine Ausnahme. Ich schreibe ihn zwar in der Regel immer schon am Freitag - aber veröffentlicht wird er erst am Sonntag - weil’s dann ja auch fast immer ein neues Video auf YouTube gibt.
Diese Woche also die Ausnahme! Warum? Weil ich in diesen Minuten die Mein Schiff 2 betrete - das erste Hochsee-Kreuzfahrtschiff für mich seit viereinhalb Monaten. Und auch wenn vereinzelt schon Hochseeschiffe fahren, beispielsweise von Ponant, ist das heute nunmal der Neustart im Massenmarkt. Es ist eben doch das erste der größeren Schiffe, das heute wieder an den Start geht.
In den vergangenen Wochen habe ich viel darüber berichtet, wie sie aussehen wird, die Kreuzfahrt zu Corona-Zeiten. Neben vielen Einschränkungen wird’s bei einer Belegung von maximal 60 Prozent zunächst aber erstmal ungewohnt leer werden an Bord - und das ist etwas, was man sich in der Theorie nicht so gut vorstellen kann, das muss man erlebt haben - und deswegen probiere ich es ab heute für Euch aus.
Natürlich sind Kreuzfahrten ohne Landgang alles andere als optimal - „viele Orte erleben und nur einmal den Koffer auspacken“ - so erkläre ich immer, warum Kreuzfahrten so populär sind. Und wenn ausgerechnet das nun entfällt, ist das ungünstig. Auch das Kennenlernen von anderen Menschen an Bord - für viele auch extrem wichtig - ist erstmal nicht vorgesehen.
Machen wir uns nichts vor: Das alles macht Kreuzfahrten aktuell erstmal nur zu einem mittelattraktiven Produkt. Zumindest auf den größeren Schiffen - bei Expeditionsschiffen gibt es teilweise schon wieder Anlandungen mit den Zodiacs (den motorisierten Schlauchbooten). Das ist doch schon mal was!
Schaue ich mir Social-Media-Kommentare an, dann gibt es da öfter Stimmen in der Art „Die sollen doch einfach alle Reisen absagen, das wird nichts mehr in diesem Jahr.“ Diese Kommentatoren verkennen, dass die Reedereien aktuell ums Überleben kämpfen - auch wenn sie das nicht so direkt sagen. Die Kunden sollen ja nicht noch mehr verunsichert werden. Nichts zu machen ist für die Reedereien aber natürlich keine Option - und so wird sich an jeden Strohhalm geklammert, der sich bietet. Und wer irgendwann wieder groß werden möchte, der muss zunächst klein wieder anfangen.
Ist der Neustart gescheitert, sobald ein Fall von Covid-19 an Bord auftritt? Ist die Kreuzfahrtbranche dann am Ende? Ich bin kein Hellseher, aber ich bin mir sicher: Es wird Fälle von Covid-19 an Bord geben. Ein Gesundheitsfragebogen und die Messung der Körpertemperatur können nicht verlässlich ausschließen, dass Menschen mit akuter Infektion an Bord gehen. Wenn nun aber die (Abstands-)Bedingungen an Bord so sind, dass die infizierte Person eigentlich niemand anderen anstecken kann, dann sollte es auch nicht zu einem größeren Ausbruch kommen.
Wir müssen lernen, einigermaßen entspannt damit umzugehen, wenn es Covid-19-Fälle gibt. Wir - und vor allem aber die Medien. Vereinzelte Fälle - selbst auf einem Kreuzfahrtschiff - sind nicht die Katastrophe, die manche Medien dann vielleicht herbei schreiben möchten. Wer als Reederei jetzt startet, hat andere Bedingungen geschaffen an Bord, die nicht zu vergleichen sind mit der Zeit, als die Pandemie begann. Also - TUI Cruises - alles Gute für den Neustart heute!
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Ein besonderer Tag ist das also heute - daher ist auch dieses Intro des Morrletters etwas länger geworden. Und weil das Auslaufen heute gewissermaßen ein „historischer Moment“ ist, seid Ihr ab 21.25 Uhr live auf YouTube dabei. Der ein oder andere mag sich an die Übertragung eines etwas weniger historischen Moments erinnern - als AIDAmira im Dezember das erste Mal auslaufen sollte. Leider tat sie es während des Livestreams und auch danach nicht, weil man kurzfristig festgestellt hatte, dass das Schiff noch nicht fertig ist…
Also hoffen wir mal, dass Kapitän Thomas Roth heute Abend pünktlich um 21.30 Uhr in Hamburg-Steinwerder ablegt und mich nicht hängen lässt. Dass er aus dem Land der besten Uhren der Welt kommt, lässt schon mal hoffen…
Bis ganz bald,
Matthias
Treibholz - Meine Fundstücke der Woche
Wie geht es ab August mit der Kreuzfahrt weiter? Das hat Franz Neumeier hier ausführlich zusammengestellt.
Eine Strategie der Krise zu begegnen, ist es auch ältere Schiffe zu verschrotten. Und hier hat Franz eine Übersicht erstellt, welche Schiffe die Flotten einzelner Reedereien verlassen und was mit ihnen passiert - immerhin gibt es zum Teil auch andere Formen der Nachnutzung.
In den vergangene Monat war viel zu hören, wie die Meyer-Werften leiden durch die Corona-Pandemie und dem geringeren Bedarf an neuen Kreuzfahrtschiffen. Wenig zu hören war hingegen von den MV Werften - so entsteht eigentlich in Wismar mit der Global Dream ein Kreuzfahrtschiff für den asiatischen Markt für 10000 Passagiere - doch mit Corona kam die Vollbremsung, wie in dieser Reportage zu lesen ist.
Und noch ein Text auf Englisch: Die Rolle von Klimaanlagen bei der Corona-Verbreitung ist ja vielfach diskutiert worden. Bei Cruise Critic gibt’s hier einen Artikel über die Funktionsweise von Klimaanlagen auf Kreuzfahrtschiffen. Und wir lernen: Der Betrieb mit 100 Prozent Frischluft ist aus energetischen Gründen gar nicht so einfach, weil es damit vergleichbar ist, in einem Auto die Klimaanlage laufen zu lassen, während aber die Fenster offen sind.
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