Das Crew-Problem der Reedereien
18. Juli 2021
Ahoi, Ihr Lieben!
Es sind schwierige Zeiten - für Kreuzfahrtanbieter ganz besonders. Das muss ich hier eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Wo können Schiffe fahren - und ist es auch problemlos möglich aus Deutschland hinzureisen? Wie überzeugt man Gäste, dass es auch mit Hygienekonzept und Abstand eine schöne Reise werden kann? Die Probleme sind vielfältig aktuell - aber ein Problem tritt mehr und in mehr in Erscheinung, mit dem man bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht gerechnet hätte.
Viele Schiff stehen nach wie vor still - da müsste es doch jede Menge Crewmitglieder geben, die zu Hause auf ihren nächsten Einsatz warten? Aber von wegen - viele sind in den letzten Monaten abgesprungen und haben sich beruflich umorientiert. Die Kreuzfahrt lebt besonders im Hotelbereich von Crewmitgliedern, die das Ganze vorübergehend machen. Vielleicht ein halbes Jahr oder ein paar Jahre - für die große Mehrheit ist aber irgendwann Schluss.
Was könnte nun ein besserer Anlass sein als eine Pandemie, um sich beruflich umzuorientieren? Genau - und von daher ist es nicht so überraschend, dass viele Crewmitglieder die Chance zum Absprung genutzt haben. Für die Reedereien könnte das zum Problem werden - denn sie sind natürlich auch auf erfahrene Mitarbeiter angewiesen - mit überwiegend neuen Mitarbeiter den Neustart eines Schiffs zu absolvieren, dürfte schwierig werden. Besonders, wenn es ja gerade in diesem Moment gilt, den Gästen zu beweisen, dass die Kreuzfahrt wieder da ist - und das im Idealfall auch noch besser als je zu vor.
AIDA hat konkret eine Zahl von 5000 Mitarbeitern genannt, die aktuell gesucht wird - auch an Land, aber überwiegend natürlich an Bord. Offiziell heißt es, die Mitarbeiter werden für weiteres Wachstum gesucht - das ist sicher angesichts der Übernahme von AIDAcosma Ende des Jahres auch nicht ganz falsch - aber die überwiegende Anzahl der Gesuchten, dürfte Mitarbeiter ersetzen, die ihre Seefahrerkarriere beendet haben.
Und so werden auch ehemalige AIDA-Mitarbeiter zur Zeit angeschrieben:
Erinnerst du dich noch an deine Zeit als Crewmitglied bei uns an Bord? An Sonnenuntergänge mit Blick aufs Meer? An den Zusammenhalt einer unverwechselbaren Crew? Gemeinsam können wir endlich wieder MEER erleben und unseren Gästen den schönsten Urlaub bereiten. Was uns noch für den erfolgreichen Restart fehlt, bist Du!
Schöne Worte - selbst kurze Einsätze ab zwei Monaten Länge sollen möglich sein. Das war in der Vergangenheit eher unüblich - man hätte das durchaus machen können, aber umso kürzer die Einsätze sind, umso höher sind beispielsweise die Reisekosten - und das will eine Reederei vermeiden.
Was die Personalsuche im Moment vermutlich auch erschwert: Auf den meisten Schiffen ist das Leben für Crewmitglieder aktuell doch etwas einschränkt, weil eben oft auch kein individueller Landgang möglich ist.
Schaue ich mich nun in meinem Hamburger Freundes- und Bekanntenkreis um, dann sehe ich aber, dass die Bemühungen der Reedereien hier und da schon erfolgreich sind. So ist ein Bekannter nach drei Jahren Pause nun doch wieder bei der Mein-Schiff-Flotte an Bord und ein Freund denkt ersthaft darüber nach, sich für eine Position bei AIDA an Bord zu bewerben.
Aber vielleicht ist der Zeitpunkt jetzt auch besonders günstig. Wir sind ja schon wieder in der zweiten Jahreshälfte - und eine Garantie kann uns keiner geben, ob wir wieder Herbst und Winter einigermaßen so verbringen können wie früher. Und da ist es doch nicht unattraktiv die Zeit irgendwo zu verbringen, wo das Wetter gut ist und kein weiterer Lockdown droht.
*
Meine Gedanken sind in diesen Tagen natürlich bei all denjenigen, die von der Flut-Katastrophe betroffen sind. Letztes Jahr auf der Mein Schiff 2 habe ich Tim und Tom kennengelernt - die beiden wohnen in einem Ort direkt an der Ahr. Es gibt Orte, die deutlich schlimmer betroffen sind - aber auch bei den beiden stand wohl das Wasser im Haus zunächst zehn Zentimeter hoch - vom Keller gar nicht zu reden. Die beiden waren übrigens noch bis Donnerstag auf Kreuzfahrt Griechenland gewesen - da stellt man sich das nach Hause kommen auch anders vor…
Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias
Treibholz - Meine Fundstücke
Wer in diesen Zeiten reist, der sollte auf jeden Fall überprüfen, ob er richtig versichert ist - so gibt es ja beispielsweise Versicherungen, die im Falle einer Pandemie nicht greifen. Alles was Kreuzfahrer dazu wissen müssen, gibt es hier.
Auch in Bremerhaven ist ja die Kreuzfahrtsaison gestartet. Zweieinhalb Minuten berichtet Radio Bremen in diesem Video vom Start der Artania von Phoenix Reisen:
Die Vasco da Gama (mit einer interessanten Kapazität von etwa 1200 Gästen) ist ja mittlerweile in Kiel für Nicko Cruises gestartet - über den Neustart mit einigen Bildern nach dem Umbau berichtet An Bord hier.
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