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Morrletter #11

Die Mär vom Touristenboot, mit dem die MSC Opera kollidierte

9. Juni 2019

Ahoi, Ihr Lieben!

Dass sich Journalisten bei Nachrichtenagenturen oder in anderen Redaktionen mit den gängigen Schiffstypen auskennen, kann man sicherlich nicht erwarten. Aber bei der Berichterstattung über die (vorsichtig ausgedrückt) Probleme beim Anlegen der MSC Opera in Venedig, war immer wieder die Rede in fast allen Medien, die MSC Opera sei mit einem „Touristenboot“ kollidiert.

So ist Touristenboot erstmal ein sehr allgemeiner Begriff - auch die MSC Opera könnte man etwas flapsig als Touristenboot bezeichnen. Es ist schließlich gewissermaßen ein Boot mit Touristen drauf. Was ich mir jedoch unter einen Touristenboot vorstelle, ist eher ein kleines Ausflugsboot. So dachten wohl auch die Redakteure bei Focus Online - hier ist auch mal von einem „Ausflugboot“ die Rede - jawohl, ohne s.

Nun existierten ja aber schnell Videos und Fotos von dem Unfall - so dass man eigentlich nur die einfachste aller Recherchen vornehmen musste: Nämlich das Googlen des Schiffsnamens „River Countess“. Und da stellt man ganz schnell fest: Es handelt sich hier um ein Flusskreuzfahrtschiff, das für Uniworld unterwegs ist - mit Platz für 130 Passagiere. Wenn einem dieser Begriff nun etwas zu hochtrabend vorkommt, könnte man das Ganze sicher noch als Hotelschiff bezeichnen - aber Touristenboot ist da ziemlich unpassend.

Wie war das Ganze vermutlich entstanden? Italienische Quellen sprachen teilweise von "battello turistico“ - das würde man nun wörtlich tatsächlich als Touristenboot übersetzen. Das hat offenbar auch die Deutsche Presse-Agentur (DPA) getan - die diesen Begriff vermutlich in Deutschland in Umlauf brachte - und so verbreitete sich die Mär vom Touristenboot rasant. Schließlich hat die DPA, die fast alle großen Webseiten und Tageszeitungen beliefert, eine gewaltige Reichweite.

Nun gab es ja kürzlich auch in Budapest ein schreckliches Unglück mit einem Flusskreuzfahrtschiff. Das hat auch Bild.de bei der Berichterstattung über den Vorfall in Venedig aufgegriffen. Hier wurde dann aber aus dem Flusskreuzfahrtschiff in diesem Artikel etwas völlig anderes - nämlich eine Fähre. Kurzum: Es ist immer gut jemanden zu haben, der sich auskennt…

Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias


Treibholz - Meine Fundstücke der Woche 

Während die Grünen aktuell bei den Wahlen und in Prognosen neue Höchstwerte erreichen, wurde auch in dieser Woche viel über Kreuzfahrtschiffe und die Umwelt berichtet.

Nun ist immer wieder die Rede davon, dass ein Kreuzfahrtschiff so viel Schadstoffe wie fünf Millionen PKW ausstößt - der Nabu hatte diesen Vergleich 2012 mal in Umlauf gebracht. Franz Neumeier hat das Thema ausführlich mit einem Experten diskutiert - Fazit: Der Vergleich ist möglicherweise etwas übertrieben, es sei aber dennoch wichtig, dass die Emissionen von Schiffen allgemein reduziert würden.

Einen aktuellen Überblick über Bemühungen der Kreuzfahrt-Reedereien sauberer zu werden, liefert dieser Artikel.

Nun ist der Betrieb von Schiffen mit LNG schon deutlich sauberer als das Fahren mit Marinediesel oder Schweröl - was den Ausstoß von CO2 angeht, ist der Unterschied allerdings nicht so gewaltig. Nobelpreisträger William Nordhaus schlägt nun vor, den CO2-Ausstoß einheitlich zu bepreisen.

Zu Umweltschutz an Bord gehört auch Müllvermeidung. Da konnte ich neulich auf der Sirena von Oceania Cruises etwas Vorbildliches sehen: Hier ist ein System mit Glasflaschen im Einsatz, die an Bord gereinigt und befüllt werden und dann auf die Kabinen gestellt werden oder in die Restaurants geliefert werden.

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