Die Sekunde, die gleich sechs Wochen verändert hat
21. November 2021
Ahoi, Ihr Lieben!
Es wird Euch nicht überraschen: Zwar bekommt Ihr den Morrletter immer am Sonntag, aber der entsteht natürlich schon im Laufe der Woche - meistens am Freitag Nachmittag - verschickt wird er dann automatisiert am Sonntag um 8.15 Uhr. Sprich: So ganz taufrisch ist der Inhalt dann am Sonntag morgen nicht mehr - was jetzt nicht so dramatisch ist, es geht ja hier selten um ganz aktuelle Dinge.
Vor zwei Wochen passierte in dem Zeitraum zwischen Freitag Nachmittag und Sonntag morgen aber doch noch etwas, über das ich durchaus schon hätte berichten können, weil es die nächsten Wochen für mich doch erheblich verändert.
Aber von vorn: Wir haben ja hier in Hamburg zahlreiche Möglichkeiten uns in der Stadt fortzubewegen - auch ohne, dass man ein eigenes Auto benötigt. Waren es lange Zeit nur Bus und Bahn, kamen in den vergangenen Jahren zahlreiche Fortbewegungsmittel zum praktischen Ausleihen überall in der Stadt hinzu. Autos, Fahrräder, Motorroller - und zuletzt die kleinen, wendigen E-Scooter. Letztere habe ich immer eher selten genutzt - weil sie allenfalls für Strecken geeignet sind, die man eigentlich auch laufen könnte.
Nun wurde mir vor Kurzem mal wieder ein Fahrrad geklaut - und seitdem bin ich dann doch einige Male mit so einem E-Scooter unterwegs gewesen. So auch am Samstag vor zwei Wochen. Ich war abends auf dem Weg zu einem Freund im Stadtteil Sternschanze - vorbei komme ich dabei am Heiligengeistfeld, wo zur Zeit der Winter-Dom stattfindet - eine Kirmes. Ich merkte schon, dass viele Autofahrer unentspannt wirkten, weil sie keinen Parkplatz fanden. Ich hatte das Heiligengeistfeld hinter mir gelassen, bog nach rechts ab und fuhr weiter auf dem Radweg.
Plötzlich schoß von links ein Auto heran, um den Radweg zu überqueren und auf eine Parkspur zu fahren. Die Autofahrerin hatte mich nicht gesehen - so dass eine Kollision unausweichlich war. Ich fuhr vielleicht mit 15 km/h - also noch vergleichsweise langsam. Als der E-Scooter das Auto berührte, kippte er nach rechts weg - was dann genau passierte, müsste man eigentlich mal mit Abstand in Zeitlupe sehen, denn der entscheidende Momente dauerte höchstens eine Sekunde. Ich kippte mit dem E-Scooter zur Seite, und der rechte Fuß landete irgendwie darunter. Ich trug Handschuhe, konnte mich einigermaßen auffangen und stand schnell wieder auf.
Mein rechter Fuß tat zwar weh - aber ich hoffte in diesem Schockmoment auf eine Prellung. „Wird schon nichts Schlimmes sein“, dachte ich. Ein Schaden am Roller war nicht entstanden - von daher ließ ich mir sicherheitshalber die Daten der Autofahrerin geben und fuhr sogar noch weiter mit dem Roller.

Im Laufe des Abends schwoll der Fuß dann allerdings mehr und mehr an, so dass ich mich entschloß, vorsichtshalber zum Arzt zu gehen. Die Röntgenaufnahme brachte es dann ans Licht: Im Mittelfuß war tatsächlich etwas gebrochen. In den nächsten Tagen war ich dann zwischen den verschiedensten Arztpraxen und Kliniken unterwegs. Die Ärzte waren sich zunächst nicht sicher: Muss operiert werden oder nicht? Nach MRT und auch noch CT kam dann aber die vergleichsweise gute Nachricht: Der Fuß muss wohl nicht operiert werden - aber ich soll ihn eben sechs Wochen nicht belasten.

„Was heißt denn nicht belasten konkret?“ fragte mich mein Freund Tom auf WhatsApp, der in der vergangenen Woche mit AIDAblu auf Kanaren-Kreuzfahrt war. Ganz einfach: Ich darf mit dem echten Fuß nicht auftreten - von daher habe ich nicht nur eine Art Astronautenstiefel bekommen (früher hätte man wohl den Fuß eingegipst…), sondern auch zwei Krücken. In Wirklichkeit heißen die Unterarmgehhilfen, wie ich gelernt habe. Ich versuchte mir schön zu reden, dass es doch wenigstens ein gutes Workout für den Oberkörper sein müsste, wenn ich mit Hilfe der Krücken immer wieder aufs Neue meine 84 Kilo in die Luft wuchte. Es ist wahnsinnig anstrengend! Mehr als 300 Meter sind da eigentlich nicht mit drin. Meine Smartwatch warnte mich immerhin aufmerksam: „Dein Puls ist neuerdings beim Gehen deutlich höher“.
Wenn also alles läuft, wie geplant, dann könnte der 18. Dezember nun mein persönlicher Freedom-Day werden - denn dann soll ich wohl auch wieder mit dem rechten Fuß auftreten dürfen. So schnell verändert sich der persönliche Fokus - als wären andere Probleme in der Welt gar nicht mehr existent.
*
Heute wäre ich eigentlich nach Italien geflogen und auf die Costa Firenze aufgestiegen - die Reise habe ich aber letztlich dann doch abgesagt. Erst hatte ich noch erwogen, sie trotzdem zu machen - nach dem Motto: Welche Urlaubsform ist für einen Fußkranken wohl besser geeignet als eine Kreuzfahrt? Aber das war zu einem Zeitpunkt, als die Ärzte dachten, ich dürfte mit meinem rechten Fuß zumindest vorsichtig auftreten. Von daher ist für mich jetzt Schreibtisch statt Schiff angesagt - immerhin geht das, als Selbständiger ist das ja nicht so ganz unwichtig.
Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias
Treibholz - Meine Fundstücke
Normalerweise schaue ich recht wenig fern - jetzt mit meinem gebrochenen Fuß sieht das etwas anders aus. Aus irgendwelchen Gründen bin ich die Tage an die Sendung „Achtung Abzocke - Urlaubsbetrügern auf der Spur“ auf Kabel Eins geraten. Reporter Peter Giesel berichtet unter anderem aus einem Kreuzfahrthafen im Mittelmeer - aus Neapel - es geht beispielsweise um die Geschäfte der Taxifahrer, die direkt vor dem Kreuzfahrtterminal nach Kunden suchen - und das kann teilweise teuer werden. Hier geht’s zur Folge - um Neapel geht’s im ersten Drittel der Sendung etwa.
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