Gibt es jetzt erstmals harte Konkurrenz zwischen AIDA und TUI Cruises?
27. September 2020
Ahoi, Ihr Lieben!
Was Notebook, Tablet, Smartphone, Uhr und Kopfhörer angeht, habe ich leider einen teuren Geschmack. Da kommen mir eigentlich nur die Geräte mit dem Apfel ins Haus - auch wenn es erheblich günstigere Konkurrenz gibt. Nicht etwa, weil Apple-Gründer Steve Jobs am gleichen Tag wie ich Geburtstag hatte, sondern weil mich die Produkte überzeugen. Apple hat es geschafft, mich an sie zu binden.
Unsere beiden großen Reedereien in Deutschland haben auch solche Stammkunden - AIDA-Gäste, die sich niemals vorstellen könnten mit Mein Schiff zu fahren und umgekehrt. Für die Anbieter sind diese Kunden natürlich Gold wert. Medienmenschen, wie ich, arbeiten sich zwar daran ab, festzustellen, wo die Unterschiede der Produkte liegen oder wer in welchem Bereich besser ist - aber einem wahren Fan ist das natürlich ziemlich egal.
Und so gab es in den vergangenen Jahren eine friedliche Co-Existenz beider Reedereien - beide wuchsen gewaltig und es gelang, immer mehr Erstkreuzfahrer an Bord zu holen. Es waren genug Urlauber für beide da.
Als TUI Cruises das „Premium Alles Inklusive“ einführte, um ihr lahmendes Produkt in Schwung zu bringen, passierte auf Seiten von AIDA in diese Richtung erstmal nichts. Und warum? Weil es nicht nötig war. Erst nach einigen Jahren gab es die ersten richtigen Getränkepakete - ein Paket, das ungefähr dem Mein-Schiff-Angebot entspricht, gibt es sogar erst seit dem vergangenen Jahr.
Und plötzlich kam Corona. Nun gelang ja TUI Cruises bereits Ende Juli der Neustart - und in der Folge gingen auch viele AIDA-Fans fremd. Mit dem geplanten Neustart von AIDA am 17. Oktober in Italien macht nun die Reederei etwas, was sie bisher eher nicht gemacht hat. Sie geht mit einem Angebot auf direkte Konfrontation zu TUI Cruises. Zwar wurde auch Anfang des Jahres schon zaghaft ein „Premium All Inclusive“ als Option beworben, so richtig nach vorn geht man aber erst jetzt - 99 Euro kosten für eine Woche das größte Getränkepaket und die Social-Media-Flatrate - das ist eine Ansage!
Warum macht AIDA das? Nicht mehr weil sie es können, sondern weil sie es nun müssen. Schaut man sich an, wie wenige Gäste aktuell an Bord der Schiffe sind, die schon fahren auf der Welt, stellt man fest: So gewaltig groß scheint der Kreis der potentiellen Kreuzfahrer im Moment nicht zu sein. Von den durchschnittlich gut 200.000 deutschen Kreuzfahrern im Monat im vergangenen Jahr, dürften im August und September nicht viel mehr als jeweils 15.000 übrig geblieben sein. Von der Kapazität her bei TUI Cruises und Hapag Lloyd wären auch bei nur 60 Prozent Corona-Belegung noch erheblich mehr Gäste drin gewesen - aber sie buchen eben aktuell nicht.
AIDA würde natürlich gern mit AIDAblu idealerweise etwa 6000 Gästen im Monat einen schönen Urlaub in diesen Zeiten bereiten, aber ob der Markt das aktuell hergibt ist fraglich. Dementsprechend müssen sich die Rostocker wesentlich mehr um ihre Kunden bemühen. Und da bietet sich doch eine günstige Alles-Inklusive-Option förmlich an.
Ganz so bemühen muss sich ein Anbieter wie Hapag-Lloyd Cruises um seine Kunden übrigens nicht. Ist es ja bei internationalen Luxusanbietern durchaus üblich fast alle Getränke zu inkludieren, ist bei Hapag-Lloyd Cruises nach wie vor jedes Glas Mineralwasser im Restaurant zu bezahlen. Weil sie es können - und weil die internationalen Luxusschiffe von Silversea, Seabourn & Co. aktuell ja sowieso noch nicht fahren. Abgesehen davon, dass die in der Vergangenheit sowieso nur eine überschaubare Konkurrenz für Hapag-Lloyd Cruises waren. Der Hapag-Lloyd-Kunde ist treu - und das ist dann so ähnlich wie mit mir und Apple. Ist die Kundenbindung da, zahlt man bereitwillig - sogar in diesen Zeiten.
Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias
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