Haben Kreuzfahrten eine "dunkle Seite"?
11. August 2019
Ahoi, Ihr Lieben!
Nun also auch der „Spiegel“: „Wahnsinn Kreuzfahrt - die dunkle Seite des Traumurlaubs“ titelt das Magazin an diesem Wochenende. Der gefühlte Höhepunkt bisher eines medialen Dauerfeuers gegen die Kreuzfahrtindustrie in den vergangenen Wochen. Um es vorwegzunehmen: Die 4,99 Euro, die ich für das E-Paper investiert habe, haben sich nicht wirklich gelohnt - neue Erkenntnisse brachte der Artikel mir nämlich nicht. Aber der „Spiegel“ ist natürlich ein Medium für die Massen, die bisher von dem Thema überhaupt keine Ahnung haben. „Wahnsinn Kreuzfahrt“ ist da übrigens nicht sonderlich kreativ - ein Buch mit gleichem Titel ist nämlich schon im Frühjahr erschienen - völlig unabhängig von der „Spiegel“-Geschichte.
Bei Facebook habe ich schon gemerkt: Viele von Euch fühlen sich persönlich angegriffen durch eine Kreuzfahrt kritische Berichterstattung. Ich persönlich sehe kritische Berichte da sehr viel umemotionaler. Am Ende handelt es sich bei der Kreuzfahrt um ein Geschäftsmodell, mit dem aktuell noch sehr hohe Renditen erwirtschaftet werden - und das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Und natürlich bietet die Kreuzfahrtbranche auch berechtigte Angriffspunkte. Beispielsweise die quasi nicht vorhandene soziale Absicherung vieler Crewmitglieder. Ich kenne Fälle von Crewmitgliedern, die wurden von heute auf morgen nach Hause geschickt - für immer - mit fadenscheinigen Begründungen. Das ist in der heutigen Zeit nicht akzeptabel - und dafür und für ähnliche Dinge sollte man die Unternehmen auch kritisieren. Natürlich habe ich da nochmal einen anderen Blick drauf als ein normaler Urlauber, der nur die Oberfläche sieht.
Das Kreuzfahrt-Thema ist natürlich vom „Spiegel“ nicht ganz zufällig gewählt worden - letztlich geht es darum, mit der Titelgeschichte viele Hefte zu verkaufen. In einer Zeit, in der sowieso immer weniger Hefte verkauft werden. Und da sind Kreuzfahrten immer ein dankbares Thema - auch im Fernsehen gilt häufig: Kreuzfahrten bringen Quote. Für die Reedereien wächst damit aber sicherlich die Herausforderung: Sie müssen ihr Produkt so bauen, dass die Menschen es mit einem guten Gefühl buchen können.
Nun steht in den nächsten Jahren nochmal ein gewaltiges Wachstum bevor - auch auf dem deutschen Markt - unter anderem mit zwei AIDA-Neubauten und drei Schiffen für TUI Cruises. Zumindest einer der TUI-Cruises-Neubauten wird noch konventionell mit Schweröl fahren - da würde mich schon interessieren, ob das nicht eine Entscheidung ist, die man in Hamburg mittlerweile bereut. Keine Frage: Die nächsten zehn Jahre werden spannend für die Kreuzfahrtbranche - und mit Sicherheit erheblich herausfordernder als die vergangenen zehn Jahre.
Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias
PS: Auf Facebook hat gestern Felix noch mein Posting zum "Spiegel"-Titel kommentiert - und dem habe ich nichts hinzuzufügen: "Der Artikel ist ziemlich harmlos meiner Meinung nach. Beschreibt ziemlich genau wie eine Mein Schiff-Kreuzfahrt abläuft, wirkt jetzt auf mich nicht überzogen negativ und spricht das an, was jedem, der sich ein bisschen mit dem Thema auseinandersetzt, sowiso bewusst sein sollte. Die Aspekte Umwelt, Mitarbeiter auf dem Schiff und Massentourismus sind nicht neu für mich und ich gehe trotzdem gerne und weiterhin auf Kreuzfahrt. Ich werde die Kreuzfahrer-Welt nicht vollständig ändern können, kann mich aber bewusst in ihr bewegen. Ich bin freundlich und aufmerksam dem für mich sichtbaren Personal gegenüber, gebe auch gerne Trinkgeld und versuche Massenausflügen aus dem Weg zu gehen. Mir ist klar, dass es weniger schmutzige Reisearten gibt, aber das nehme ich für mich in Kauf. So what?"
Treibholz - Meine Fundstücke der Woche
Wie sieht das Kreuzfahrtschiff der Zukunft aus? Darüber zerbrechen sich Experten den Kopf. Die "Welt" hat mit dem Chef einer Agentur gesprochen, die TUI Cruises und Royal Caribbean berät.
Venedig und die Kreuzfahrtschiffe - gefühlt eine unendliche Geschichte. Da schienen schon Alternativen beschlossen, die die größeren Schiffe nicht mehr durch den Giudecca-Kanal führen von denen dann aber plötzlich doch keine Rede ist. Neuer Stand: Es wird mal wieder diskutiert...
Oben schon beschrieben: Momentan gibt es ein mediales Dauerfeuer gegen die Kreuzfahrtbranche - so auch neulich im Magazin "Panorama" im Ersten. Ungewöhnlich: Die Redaktion ist offenbar von Zuschriften überflutet worden und äußert sich nun zu der Kritik - auch geht es darum, warum es im Ersten neben solchen kritischen Berichten auch Sendungen, wie "Verrückt nach Meer", gibt.
Nach so vielen kritischen Themen, noch etwas Heiteres: Donald Duck bekommt sein eigenes Kreuzfahrtschiff. Zumindest im Comic - "Die Ducks auf Kreuzfahrt" erscheint am Dienstag als "Lustiges Taschenbuch" und Franz Neumeier durfte schon mal reinschauen.
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