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Morrletter #61

Ist für AIDA der Neustart am Schwierigsten?

7. Juni 2020

Ahoi, Ihr Lieben!

Die Geschichte von AIDA ist eine Erfolgsgeschichte, gar keine Frage. Vierzehn Schiffe in der Flotte - Nr. 15 und 16 kommen in den nächsten drei Jahren - wenn die Auslieferung nicht noch verschoben wird. Erfolgsgeheimnis seit dem ersten Schiff 1996: AIDA war immer anders als andere Reedereien. Auch wenn heute nicht mehr von einem „Clubschiff“ die Rede ist, orientiert man sich beim Bau der Schiffe von den Grundzügen her schon noch am Konzept der ersten Schiffe. Und das könnte einen Neustart während der Corona-Krise erschweren. Wenn „Social Distancing“ gefragt ist, haben es Produkte schwer, die ganz besonders darauf setzen, Menschen zusammenzubringen.

AIDA ist die einzige Reederei weltweit, die auf allen Schiffen (mit Ausnahme von AIDAmira) in erster Linie auf Buffetrestaurants setzt. Warum auch nicht, es kommt ja gut an bei den Kunden - und wer das partout nicht mag, der hat ja auch Alternativen - mal mit, mal ohne Aufpreis. Nur scheinen Buffets auf Kreuzfahrtschiffen grad keine gute Idee zu sein, hört man sich um, was Reedereien für einen Neustart planen.

Solange Covid-19 in der Welt ist, wird es Buffetrestaurants vermutlich allenfalls mit Bedienung geben können. Es ist sonst einfach zu unhygienisch. A-Rosa (einst eine Schwester von AIDA) setzt auf dem Fluss nun sogar auf Bedienung am Platz in den Buffetrestaurants. Haben die meisten Kreuzfahrtschiffe auf der Welt vielleicht ein oder zwei Buffetrestaurants, sind es bei AIDA in der Regel aber mehr. Dementsprechend wäre ein Umstieg auf Bedienung am Buffet oder am Platz ein gewaltiger Kraftakt. Abgesehen davon, dass die meisten Buffetrestaurants bei AIDA baulich gar nicht dafür vorgesehen sind, dass man am Buffet bedient werden könnte.

Sah der Clubschiff-Gedanke einst vor, Fremde an großen Achter- oder Zehnertischen zusammenzubringen, dürfte das mittelfristig erstmal nicht vorstellbar sein. Große Tische sind erstmal nur denkbar, wenn Menschen aus einer Reisegruppen zusammen sitzen. Bedeutete AIDA bisher keine festen Essenszeiten zu haben, ist auch hier die Frage, ob man diese Freiheit wird aufrecht erhalten können. Zumindest muss alles so organisiert werden, dass es eben nicht mehr zu Menschenmassen vor Öffnung des Marktrestaurants kommt.

Das Theatrium war 2007 eine Revolution auf der AIDAdiva - und man hat diesen offenen Theaterersatz bis heute beibehalten. Nur die vier ältesten Schiffe der Flotte verfügen über ein Theater. Nun haben einige Reedereien schon angekündigt, Theater nur mit deutlich weniger Zuschauern nutzen zu wollen. Bei einem abgetrennten Theater kann ich mir das ja noch einigermaßen vorstellen - aber beim Theatrium eher weniger, weil man diesen Bereich als Ganzes eben schlecht abtrennen kann. Er ist nun mal das Herzstück des Schiffs. Da ist eigentlich keine Einlasskontrolle möglich.

Das waren nur einige Beispiele, warum „Social Distancing“ - verglichen mit anderen Reedereien - bei AIDA mit am Schwierigsten umzusetzen sein dürfte. Von daher bin ich hier ganz besonders auf den Neustart gespannt.

*

Bezogen auf die Kreuzfahrt ist das natürlich im Moment die große Frage: Sollte man vielleicht völlig verzichten, so lange es keinen Impfstoff gibt? Und da hat Karin Pfeifer bei mir auf Facebook einen ganz schönen Kommentar geschrieben, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

„Leider können wir die Welt und das Leben nicht einfach so lange einfrieren, bis der Impfstoff fertig ist. Denn der Weg dahin ist nur im Leben möglich. Quarantäne kann passieren. Stimmt! Und es kann genauso gut sein, dass es einfach eine schöne, entspannte Reise wird. Seitdem wir mit einer bedrohlichen Diagnose leben müssen, lautet unser Motto: ‚Man muss mit allem rechnen, sogar mit dem Guten!‘“

Danke, Karin! Dem ist wenig hinzuzufügen.

*

Eine Abbestellung des Morrletters - klar, auch das kommt vor - wurde letzte Woche begründet mit „Zu viel Corona“ - das Thema lässt sich halt im Moment nicht ganz vermeiden - aber, hey, zwei Videos in dieser Woche ganz ohne dieses Thema, das ist doch was…

Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias


Treibholz - Meine Fundstücke der Woche 

Die beste Nachricht der Woche: Die erste Flusskreuzfahrt ist gestartet - mit der NickoVision - das Schiff, das viele von Euch kennengelernt hätten Ende März auf der Tour mit mir, die kurz nach dem Lockdown gewesen wäre - aber wir holen das nach. Mein Münchener Kollege Franz Neumeier konnte sein Glück vermutlich kaum fassen, mal ganz in der Nähe des Nabels der Kreuzfahrtwelt gewissermaßen zu sein. Und so war er dabei, als die Reise in Straubing losging, wie hier zu sehen ist.

Statt über 200 sind übrigens nur 40 Gäste an Bord der NickoVision - das mag von der Rentabilität weit entfernt sein, aber es ist ein schönes Signal in diesen Zeiten, dass es doch irgendwie weiter geht. Interessant sind dabei in dem Zusammenhang die Regeln, die die Stadt Passau erlassen hat, für Flusskreuzfahrten, die in der Stadt beginnen. Die sehen unter anderem einen aktuellen Corona-Test vor - und sind auch ansonsten knallhart, wie hier zu lesen ist. Spannend wird, was die deutschen Seehäfen für Auflagen erlassen für Hochseekreuzfahrtschiffe. Dazu habe ich bisher noch nichts gelesen.

Ein einziges Kreuzfahrtschiff dürfte es sein auf der Welt, auf dem aktuell noch Gäste unterwegs sind - und zwar auf der Artania von Phoenix Reisen. Die letzten acht Gäste sind noch an Bord, weil sie aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von Flugangst nicht anderweitig abreisen konnten. In den nächsten Tagen sollte die Artania in Bremerhaven ankommen, und die Neue Zürcher Zeitung berichtet noch einmal von einer sehr speziellen Weltreise, die im Dezember in Hamburg startete und die durch Corona zu einem unerwarteten Ende kam - etwas länger der Text, aber sehr lesenswert.

Die Renovierung der MS Hamburg ist ja nun beendet, hier gibt’s schöne Vorher-Nachher-Bilder - das Schiff ist zum Teil nicht wieder zu erkennen. An der einen oder anderen Stelle, würde ich sagen: Zum Glück.

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