Meine Begegnung mit dem geheimnisvollsten Mann der deutschen Kreuzfahrtbranche
14. August 2022
Ahoi, Ihr Lieben!

Wenig überraschend: Veranstaltungen sind in der Kreuzfahrtbranche selten geworden. Die Taufe von AIDAcosma war da sicher vor einigen Monaten die Ausnahme - da hat der eine Teil des deutschen Kreuzfahrtmarktes gefeiert. Am Freitag war es der andere Teil - nämlich der Gourmetabend „Europas Beste“ auf der legendären MS Europa - und dort eben auch mit vielen aus dem Management von TUI Cruises, wo ja Hapag-Lloyd Cruises mittlerweile zugehört.
In den vergangenen Jahren war mehrfach schon Günther Jauch zu Gast bei „Europas Beste“, der ja nicht nur Moderator ist, sondern auch ein Weingut besitzt - perfekt für ein Gourmetevent, wo er seine Weine vorgestellt hat. In diesem Jahr war er ohne Wein angereist, sondern wirklich nur wegen der Veranstaltung. Das finde ich ziemlich bemerkenswert - denn er ist, wie man weiß, niemand, der ständig bei irgendwelchen Veranstaltungen auftaucht. Wenn man ihn so sieht, dann strahlt er jetzt nicht so dieses „Machen Sie gern ein Selfie mit mir“ aus - so dass ich ihn natürlich in Ruhe gelassen habe - man kann ja nicht alles für ein paar Likes auf Instagram machen.
Günther Jauch dürfte eine Bekanntheit beim Volk haben, die über der von Olaf Scholz liegt. Aber sehr interessant war an dem Abend eine Begegnung mit einem Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte - der aber in der deutschen Kreuzfahrtbranche eine ganz große Nummer ist. Aber ich muss etwas ausholen.

Wer sich ein kleines bisschen in der Kreuzfahrtbranche besser auskennt, der weiß, dass es beim Hotelbetrieb von Mein Schiff, Hapag-Lloyd Cruises und Phoenix Reisen beispielsweise eine nicht ganz unwesentliche Gemeinsamkeit gibt. Vom Koch bis zum Zimmermädchen arbeiten die Crewmitglieder nämlich (anders als bei AIDA beispielsweise) nicht bei der Reederei, sondern bei einer Firma namens Sea Chefs. Der ein oder andere von Euch wird von denen schon mal gehört haben. Wobei das etwas kurz gegriffen ist - es gibt ein ganzes Konglomerat an Firmen, die das „Sea Chefs“ im Namen tragen, mit Sitz in Hamburg, in der Schweiz, auf Malta oder Zypern.
Was ich wohl schon mal gehört habe: Dass die Ursprünge der Firmen in Hamburg liegen - weil sich Ende der 90er Jahre ein Abteilungsleiter von damals Hapag-Lloyd Kreuzfahrten selbständig machte. Der Name? Keine Ahnung… Wenn man im Internet schaut, wer da so die Personen in der Geschäftsführung sind, dann gibt’s eine Gemeinsamkeit: Mir war noch nie einer davon begegnet - das ist eigentlich schon sehr ungewöhnlich, weil ich natürlich viele in der Branche kenne. Man findet von diesen Herren - es sind auch fast nur Männer - auch mehr oder weniger keine Fotos im Netz.
Nun unterhielt ich mich grad am Freitag mit TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier, als plötzlich ein Mann neben uns stand, den nicht noch nie gesehen hatte. Frau Meier, stellte uns vor und nannte einen Namen, den ich leider im gleichen Moment schon wieder vergaß. Es stellte sich jedenfalls heraus, dass dieser Mann besagter Gründer von Sea Chefs war. Selbst wenn man nun versucht zu googeln, wie der Name des Gründers ist: Google weiß es nicht. Ich hätte mir den Mann allerdings aufgrund der Tatsache, was er da für ein Unternehmen aufgebaut hat, tatsächlich älter vorgestellt. Ich würde behaupten, dass er nicht mal 60 Jahre alt war. Es entwickelte sich Smalltalk, er bekräftigte - wenig überraschend - dass sie in allen Bereichen an Bord im Moment Crewmitglieder suchen.
Und ich ergriff dann die Gelegenheit beim Schopfe - und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, sich mal von mir interviewen zu lassen. Ich fand das eigentlich ganz spannend: Der Mann, der das Rückgrat eines großen Teils der deutschen Kreuzfahrtbranche aufgebaut hat. Er lehnte freundlich ab - er begründete es damit, dass seine Firma ja nicht im Vordergrund stehen wolle - sondern eher seine Kunden - nämlich die Reedereien und Veranstalter. Das war ein Argument, dass ich nachvollziehen konnte - am Ende finde ich das vermutlich auch nur als Brancheninsider spannend - für Euch, die Ihr ja überwiegend die Kunden seid, ist das am Ende vermutlich weniger interessant. Da ist das dann am Ende wichtiger, dass das Essen von Sea Chefs an Bord schmeckt.
Wir könnten gern mal einen Kaffee trinken gehen oder Mittagessen gehen, schlug er vor - das Büro von Sea Chefs in Hamburg ist nicht so weit von meinem Büro entfernt. Gute Idee - aber dafür müsste ich natürlich wissen, wie er heisst: So bleibt er für mich weiterhin der geheimnisvollste Mann der deutschen Kreuzfahrtbranche.
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Noch eine andere hübsche Anekdote: MS Europa lag am Freitag Abend - ganz ungewöhnlich - an einem Liegeplatz der Werft Blohm + Voss. Die Gäste, die an Bord mitreisten, waren schon am Kreuzfahrtterminal Steinwerder aufgestiegen - ich und andere Medienvertreter und Ehrengäste, sollten allerdings erst das Schiff auf der Werft betreten. Dafür hatte die Reederei Busse gechartert. Unser vollbesetzter Bus fuhr also zum Eingang, wo ein pflichtbewusster Wachmann, erstmal darauf bestand, dass jeder im Bus auf einer Namensliste abgestrichen werden muss. Nachdem sich der Transfer zuvor schon weit über eine Stunde verzögert hatte, weil es Probleme beim Anlegen der Europa gegeben hatte, war die Stimmung doch etwas getrübt. Isolde Susset saß bei uns im Bus, die Chefin der Expeditionssparte von Hapag-Lloyd Cruises, sie griff kurzerhand die Namensliste und machte sich daran, von Reihe zu Reihe zu gehen und die Namen abzustreichen. Einige Reihen hinter mir saß Karl J. Pojer, der Mann der bis Ende 2020 Chef von Hapag-Lloyd Cruises war. „Isolde, ich helfe dir“, rief er seiner ehemaligen Kollegin zu, griff sich eine zweite Liste, und fing im hinteren Teil des Busses an, die Namen abzustreichen. Einmal Gastgeber, immer Gastgeber!
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Karl J. Pojer lebt übrigens ein Berufsleben, das sich nicht am Geburtsdatum in seinem Ausweis orientiert. Statt Ruhestand ist er nun unter anderem Chef der A-Rosa-Resorts. Für sein Hotel auf Sylt hat er neuerdings mit Sven Fritzsche einen Chef, den ich seit meiner Reise mit AIDAsol im Juli 2021 in sehr guter Erinnerung hatte - da war er nämlich Hoteldirektor. Die Tourismusbranche ist verdammt klein.
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Freitag dachte ich noch, ich weiß gar nicht, was ich hier in dieser Ausgabe des Morrletters schreiben soll - jetzt sprudelte es nur so aus mir heraus. Das ist dann immer der Moment - Video hin oder her - wo ich denke: Schreiben kann doch ziemlich viel Spaß machen! Ich hoffe, das Lesen auch ;-)
Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias
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