Meyer-Werft-Chefs reden Klartext
19. April 2020
Ahoi, Ihr Lieben!
Ein Video, das mich in dieser Woche bewegt hat, war ein Video der Meyer Werft zur dramatischen Lage am Kreuzfahrt-Markt und die Auswirkungen auf das Papenburger Unternehmen. Die Firmenspitze redet unverblümt über die nähere Zukunft der erfolgsverwöhnten Branche, die durch das Corona-Virus so plötzlich zum Stillstand gekommen ist. Das Problem: Im Bau befindliche Schiffe werden in den nächsten Jahren eigentlich nicht mehr benötigt, und neue Bestellungen wird es höchstwahrscheinlich nicht geben. Wunsch der Reedereien ist es, die Auslieferung der Schiffe zu verzögern - was unter anderem bedeuten würde, dass die Werft Personal abbauen muss.
Was ich an diesem Video so bemerkenswert finde: Es ist vermutlich das erste Mal in dieser Krise, dass ein großer Player in der Kreuzfahrtbranche mal Tacheles redet. Aber die Meyer Werft kann sich das auch leisten - ihr Geschäft mit den Reedereien ist zunächst erstmal gelaufen. Bestellte Schiffe werden noch gebaut - wenn auch möglicherweise verzögert - mit neuen Bestellungen ist nicht zu rechnen.
Schaut man sich die Kommunikationsstrategie der Reedereien und Veranstalter im Moment an - dann ist die anders. Da wird eher dargestellt, was die Crew aktuell an Bord der Schiffe macht, dass man die Gäste an Bord vermisst - so in die Richtung geht das. Da ist kein Manager, der öffentlich von einer Katastrophe für die Branche reden würde. Denn - und das ist der Unterschied zur Werft - das Geschäft der Reedereien mit ihren Kunden (also Euch) ist eben noch nicht gelaufen. Die Reedereien tun aktuell vieles, um eine Stimmung zu schaffen, die vielleicht doch zu neuen Buchungen führt. Es wird nichts gesagt, was den Kunden nur ansatzweise verunsichern könnte. Natürlich wissen auch die Reedereien aktuell nicht, wann es wieder los geht. Diese Woche sah ich auf Instagram ein Foto von einem Shop auf einer AIDA, der ausgeräumt wurde - das sieht nach Vorbereitung auf eine längere Pause aus.
Was klar ist: Der Betrieb der Reedereien kostet Geld - auch wenn nur wenig Crew an Bord ist - vielfach müssen noch die Kredite bedient werden, mit denen man die Schiffe finanziert hat. Wenn es zu lange dauert, bis die Schiffe wieder auf Reisen gehen können, gibt es Insolvenzen. Was im Einzelfall „zu lange“ bedeutet, ist natürlich von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Was den Carnival-Konzen (u. a. AIDA) angeht, habe ich das erste Quartal 2021 als einen Zeitpunkt gelesen, von dem Experten ausgehen, dass der Konzern es bis dahin schaffen könnte - auch ohne oder mit stark eingeschränktem Kreuzfahrtbetrieb.
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Was habe ich nun schon mal gemacht in dieser Zeit der Unsicherheit? Ich habe mich zumindest, was die Benutzernamen auf den Social-Media-Plattformen angeht, schon mal etwas von den Schiffen emanzipiert…
Das sind die Präsenzen, wie Ihr sie auch bisher kennt - aber nun eben alle unter meinem Namen erreichbar. Und das hier war ja sowieso schon immer der Morrletter…
Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias
Treibholz - Meine Fundstücke der Woche
Fangen wir mal mit etwas Heiterem an: Natürlich ist YouTube voll mit aktuellem Material von Kreuzfahrtschiffen - aber an historischem Material gibt es nicht so schrecklich viel. Hier zu sehen ein Amateurvideo aus dem Jahr 1989 von der Maxim Gorki, die damals für Phoenix Reisen unterwegs war. Das waren noch Zeiten…
Und da sind wir nun auch schon bei dem im Moment alles beherrschenden Thema angekommen. Franz Neumeier beschäftigt sich - gewohnt sachlich - mit der Frage „Wie geht es weiter mit der Kreuzfahrt in der Corona-Krise?“
Und weiter geht’s - wie schon zuletzt - mit Fundstücken auf Englisch. Arnold Donald hat in den USA einem Fernsehsender ein ausführliches Interview gegeben. Kreuzfahrten seien erst wieder möglich, wenn „social gatherings“ - also gesellschaftliche Zusammenkünfte - möglich seien.
Was Reedereien aktuell eint: Die laufenden Kosten müssen schnell reduziert werden, so dass Crewmitglieder nach Hause geschickt werden. Über die genauen Modalitäten im Umgang mit der Crew bei MSC berichtet Business Insider.
Die Börsenkurse der Reedereien sind im Keller - stellt sich die Frage: Kaufen oder nicht? Nicht kaufen, sagt der Autor dieses Artikels.
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