Warum Reedereien jetzt nicht auf Euer Verständnis hoffen können
26. April 2020
Ahoi, Ihr Lieben!
Meine Zahl der Woche ist die 12000 - so viele E-Mails hat ein deutscher Kreuzfahrtanbieter allein in der vergangenen Woche bekommen, wie ich erfahren habe. Bei jenem Anbieter hat sich übrigens über die Hälfte der Reisenden für eine Umbuchung entschieden - gut für den Anbieter, hilft das doch, Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
Das bedeutet aber auch im Gegenzug: Viel Arbeit für die Mitarbeiter - denn etwa 15 bis 20 Minuten sind nötig für eine einzige Umbuchung, verriet mir einer. Kleiner Tipp von mir: Leistet auch selbst einen Beitrag und schickt den Anbietern wirklich nur so wenig Mails wie nötig - ja, alles dauert sehr viel länger, als gesetzlich festgeschrieben - aber es ist nunmal eine absolute Ausnahmesituation. Es bringt aktuell wenig, zu versuchen, die Anbieter durch das Bombardieren mit Mails zu einer schnelleren Rückzahlung des Reisepreises zu bewegen. Auch wenn er eigentlich innerhalb von zwei Wochen zurück zahlen müsste.
Wobei ich durchaus verstehe, wenn viele von Euch jetzt sauer sind - schließlich waren es die Anbieter vor Monaten noch selbst, die stur auf ihre Geschäftsbedingungen beharrten, wenn Ihr mal Probleme hattet und auf Kulanz gehofft hattet. Das wäre vielleicht auch eine Idee für die Zeit danach, dass die Beziehungen der Anbieter zu den Kunden etwas differenzierter betrachtet werden sollten.
Warum nicht dem langjährigen Stammkunden in Einzelfällen auch mal entgegen kommen - und vielleicht auf die Geschäftsbedingungen eher bei Neukunden beharren. Denn am Ende kann man als Reiseveranstalter in einer Notlage nur auf Verständnis hoffen, wenn man umgekehrt auch mal Euch gegenüber Verständnis gezeigt hat. Aber ich denke, die Veranstalter haben bisher überhaupt nicht damit gerechnet, jemals in so eine missliche Lage zu kommen… So kann man sich täuschen.
*
Nach wie vor finde ich ja, könnten sich die Chefs/die Chefin der deutschen Anbieter auch mal zu Wort melden in dieser Krisenlage - wie es international ihre Kollegen tun. TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier habe ich immerhin in dieser Woche mal bei einem Alsterspaziergang gesehen - wären wir nicht beide in Begleitung gewesen, wäre vielleicht auch noch mehr drin gewesen als ein kurzes „Hallo“. Aber es geht ja auch nicht darum sich bei mir zu melden, sondern bei Euch! Über einen anderen Chef heisst es, er sehe sich selbst nicht so als Gesicht des Unternehmens und würde deswegen auf Videobotschaften oder ähnliches verzichten.
*
Was kann ich denn eigentlich für Rundgänge machen in dieser Zeit? Rauf auf die Schiffe komme ich ja nicht, auch wenn es hier in Hamburg immer mehr werden. Daher in dieser Woche mal ein Rundgang an Land.
Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias
Treibholz - Meine Fundstücke der Woche
Meine These ist ja, dass es mit Flusskreuzfahrten eher wieder losgehen könnte, als mit Hochseereisen. Und Nicko-Cruises-Chef Guido Laukamp hat schon Ideen für einen Neuanfang, wie die Touristik Aktuell berichtet.
Hübsche Idee von AIDA: In diesem Video lernt Ihr, wie Ihr ein Handtuchtier für zu Hause bastelt. Wäre doch mal eine lustige Überraschung für Partner/Partnerin/Kind.
Weiter geht’s auf Englisch. Beim Miami Herald gibt’s eine Tabelle, wo man Corona-Fälle (Gäste und Crew) verteilt auf die Anbieter sieht. Und schaut man die Zahlen an, stellt man fest: Phoenix Reisen hat mit den Corona-Fällen auf der Artania wirklich riesiges Pech gehabt.
An der im Raum stehenden Frage „Ab wann sind wieder Kreuzfahrten möglich?“ arbeitet sich in dieser Woche US-Kreuzfahrtexperte Gene Sloan ab - hier zu lesen.
Ebenfalls beschäftigt sich Gene in einem anderen Artikel mit der Frage, wie sich Kreuzfahrten mittelfristig verändern könnte. Unter anderem „Keine Buffets mehr mit Selbstbedienung“ nimmt er an - mehr hier.
Eine etwas kurios anmutende Meldung von Royal Caribbean - aber, hey, in diesen Wochen ist vieles möglich: Das Unternehmen hat die Marke „Seaface“ eintragen lassen - für eine mögliche eigene Linie an Gesichtsmasken.
Den nächsten Morrletter live im Postfach?
Trag dich ein — dann bist du beim nächsten Mal von Anfang an dabei.