Was auf US-Kreuzfahrtschiffen anders ist
11. September 2022
Ahoi, Ihr Lieben!
Ich mache das ja ähnlich wie die Reedereien: Die sind ja mit Kreuzfahrten am Ende so erfolgreich, weil sie sich da sehr klar an den Wünschen der Kunden orientieren. Wenn Chefs oder Chefinnen darüber sprechen, sie würden gewisse Dinge so machen an Bord, weil es die Kunden so wünschen, dann sind das keine Worthülsen - es ist in der Regel wirklich so. Und wenn ich Videos produziere, dann orientiere ich mich nicht an Reisen, die ich vielleicht machen möchte, sondern es orientiert sich letztlich in der Regel an dem, was Ihr sehen wollt.
Von daher ist es nicht so überraschend, dass es bei mir meistens um die deutschen Anbieter geht - die ja nun auch mit großem Abstand Marktführer in Deutschland sind. Aber weil es ja langweilig wäre, immer nur über AIDA und Mein Schiff und manchmal noch über Phoenix Reisen zu reden, sind natürlich auch immer wieder amerikanische Schiffe dabei. Und natürlich ist es auch für mich immer toll, wenn ich Euch wirklich spektakuläre Schiffe zeigen kann - und das sind dann eben meist die Schiffe von US-Reedereien.

Der US-Kreuzfahrtmarkt ist sehr viel spannender als der deutsche, weil es hier sehr viel mehr starke Marken gibt. Hier in Deutschland haben wir halt im Wesentlichen die beiden Platzhirsche. Von Samstag bis Dienstag war ich ja unterwegs auf der neuen Norwegian Prima von Norwegian Cruise Line. Kein norwegischer Anbieter, wie man denken könnte - sondern längst durch und durch amerikanisch. Und ein Besuch auf einem amerikanischen Schiff ist am Ende immer ein Eintauchen in eine andere Welt.
Viele Amerikaner haben nur 10 bis 15 Tage im Jahr Urlaub. Das bedeutet im Umkehrschluss: Das, was viele Deutsche für zwei bis drei Urlaube im Jahr ausgeben, kann der Amerikaner im Grunde nur während eines einzigen Urlaubs ausgeben. Was bedeutet das? Die Reedereien versuchen das schon auszunutzen, dass der Amerikaner an seinen wenigen Urlaubstagen bereit ist, mehr Geld pro Tag auszugeben. Im Klartext bedeutet das: Die Nebenkosten sind auf einem Niveau, das für uns Deutsche möglicherweise ungewohnt ist.
Bei NCL gibt es eine Art Tetrapak mit Wasser auf der Kabine für 5,50 Dollar - dazu kommen 20 Prozent Servicegebühr - also 6,60 Dollar. Das Mitbringen (auch von alkoholfreien) Getränken an Bord ist nicht erlaubt. Ein Ausflug von Warnemünde nach Berlin - ok, immerhin mit einem Sonderzug - kostet pro Person etwa 350 Dollar. Spa-Behandlungen, Essen in Spezialitätenrestaurants - die Kosten sind auf einem Niveau, auf das man vorbereitet sein sollte. Und das beschränkt sich ausdrücklich nicht auf NCL - kürzlich war ich ja beispielsweise bei Celebrity Cruises an Bord - dort ist das Nebenkosten-Niveau ganz ähnlich.
Im Grunde müssten die Reedereien, je nachdem aus welchem Land der Kunde kommt, andere Preise für die Nebenkosten berechnen. Der knauserige Deutsche würde dann vielleicht nur drei Dollar fürs Wasser zahlen, während der Amerikaner eben dann gut und gerne das Doppelte bezahlt ohne mit der Wimper zu zucken. Aber das wäre im Moment wohl kaum umsetzbar. Nur bei den Reisepreisen findet das bei internationalen Reedereien häufig schon so statt. Reisepreise variieren möglicherweise nach Land - und auch Inklusivleistungen können sich unterscheiden.
Das Essen auf den US-Schiffen ist natürlich durch und durch amerikanisch - zwei Sorten Käse und zwei Sorten Wurst gab es auf der Norwegian Prima im Buffetrestaurant - das muss dem Deutschen reichen - ansonsten gibt’s eben morgens all das, was, die Amis lieben in Hülle und Fülle: Waffeln, Omelette, Egg Benedict…
Wenn es nun so klingt, als wäre ein amerikanisches Schiff etwas Negatives - dem ist natürlich ganz und gar nicht so. Was Service und Unterhaltung beispielsweise angeht, findet man dort meist ein Level vor, was wir so von den deutschen Platzhirschen eben nicht kennen. Die Ausstattung der Kabinen auf der Norwegian Prima war auf einem Level, wie ich es von deutschen Schiffen abseits des Luxussegments auch nicht kenne - und die Positivliste ließe sich noch um einiges ergänzen.
Offen sollte man sein für eine Reise mit einem amerikanischen Schiff, man sollte auch einigermaßen Englisch verstehen - und man sollte nicht überrascht sein, wenn es zum Dinner kein Schnitzel gibt. Alles was extra zu bezahlen ist, sind am Ende natürlich nur Angebote - niemand wird zu etwas gezwungen… Und was dann am Ende den Gesamtpreis angeht - also für die Reise an sich und die Ausgaben an Bord - da gilt hier wie dort: You get what you pay for - man bekommt, was man bezahlt.
Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias
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