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Morrletter #18

Was in den Reedereien PR und Marketing unterscheidet

28. Juli 2019

Ahoi, Ihr Lieben!

Am Donnerstag gab es es einen extra Morrletter zum Wochenende mit mir Ende August in Papenburg - und was soll ich sagen: So viele von Euch wollten dabei sein, dass wir nun schon ausverkauft sind. Ich freue mich, mit Euch die Meyer Werft zu entdecken!

Heute mal ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Bei den Reedereien habe ich im Wesentlichen mit zwei Bereichen zu tun - entweder sind es die Pressestellen, also die PR-Abteilungen - dort, wo es das nicht gibt, ist es die Marketingabteilung.

Was ist da eigentlich der Unterschied? Eine PR-Abteilung kümmert sich ja darum, dass über die Reederei in welcher Form auch immer in den Medien berichtet wird - Tageszeitung, Fernsehen, Online - wo auch immer. Das aber natürlich für die Reederei mehr oder weniger kostenlos - wenn man vielleicht mal von den Reisekosten absieht, die für Journalisten oder Blogger entstehen. Das ist das Wesen der PR - Aufmerksamkeit zu erzielen ohne direkt dafür bezahlen zu müssen.

Was den Pressechefs (oder in dieser Branche oft auch -chefinnen) in der Regel klar ist: Sie bekommen zwar Aufmerksamkeit für Ihr Produkt, sie haben es aber nicht wirklich in der Hand, was genau am Ende berichtet wird. Und so ist das dann natürlich auch in der Zusammenarbeit mit mir - da gibt es natürlich dann und wann Bemerkungen, die eine Reederei so jetzt nicht unbedingt gern hört.

Was da aber mehr oder weniger alle PR-Verantwortlichen in der Kreuzfahrtbranche gemein haben: Sie gehen damit relativ gelassen um. Denn sie wissen: Das ist der Deal. Sie haben geschafft, dass über ihr Produkt berichtet wird - wie aber berichtet wird, das haben sie nicht in der Hand.

Was zeichnet nun das Marketing aus? Ein Marketingverantwortlicher ist es gewohnt, letztlich jede Botschaft verbreiten zu können - er muss halt nur für die Verbreitung bezahlen. Zum Beispiel in eigenen Katalogen. Da preist dann die Reederei, die häufig 399-Euro-Angebote raus haut, die „exquisiten Menüs“ in den Restaurants an - auch wenn das völlig an der Realität vorbei geht.

Im Marketing geht da immer darum ein völlig perfektes Bild von einem Produkt zu zeichnen - ob das nun der Realität entspricht oder nicht - da gibt es kein schlechtes Wetter auf einer Reise, da gibt es keinen Dreck auf dem Balkon. Dementsprechend ist für mich die Zusammenarbeit mit Marketing-Mitarbeitern häufig eher anstrengend - sie möchten, dass die Produkte so dargestellt werden, wie sie im Idealfall sind - und nicht, wie sie wirklich sind… Was habe ich da hinterher schon für Diskussionen geführt.

Das Marketing ist es gewohnt, sich alles erkaufen zu können - da haben viele Mitarbeiter aus diesen Bereichen ihre Probleme, wenn ich sage, wie es wirklich ist. Und manche Marketingmitarbeiter verstehen die Funktion von Medienmenschen, wie mir, falsch: Ich bin kein ehrenamtlicher Marketingmitarbeiter der Reederei - sondern meine Unabhängigkeit ist mir extrem wichtig. Ich sehe die Reise nicht als ein Geschenk, für das ich irgendwelche Gefälligkeiten verbreite im Gegenzug - dafür habe ich während der Reise zu viel zu tun, so dass es sich immer mehr nach Arbeit als nach Urlaub anfühlt. Und das ist auch gut so.

Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias


Treibholz - Meine Fundstücke der Woche 

Mal wieder gibt es ein Urteil, dass es in einem bestimmten Fall nicht rechtens war, dass dem Gast einer Kreuzfahrt automatisch eine (stornierbare) Servicepauschale an Bord berechnet wurde. Franz Neumeier schreibt, warum das Urteil aber vermutlich keine nennenswerten Auswrirkungen auf die bisherige Praxis haben wird. Nichtsdestotrotz wäre es aber erfreulich, wenn künftig auch MSC die Servicepauschale in den Reisepreis integrieren würde - weil es einfach transparenter ist - und weil viele Mitbewerber das ja mittlerweile so machen.

Und weil wir grad beim Kollegen Neumeier sind: In seinem aktuellen Podcast wirft er einen Blick auf Kreuzfahrt vor zehn Jahren verglichen mit heute - interessant, was sich da alles verändert hat.

Man munkelt ja, dass auf YouTube Rundgänge auf Kreuzfahrtschiffen ganz gut funktionieren ;-) AIDA zeigt in diesem Video nun mal einen Crewbereich etwas näher, interessant für alle, die vielleicht sogar mal an Bord arbeiten wollen.

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