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Morrletter #168

Wenn eine Reederei das Filmen an Bord verbietet

17. März 2024

Ahoi, Ihr Lieben!

Ich war zwar mal einer der Ersten, der schon vor Jahren an Bord eines Kreuzfahrtschiffs ging, um dort für YouTube zu drehen, aber ich bin mittlerweile natürlich einer von ganz vielen. Heute gibt es diejenigen, die das Ganze, wie ich, geschäftlich betreiben - aber natürlich gibt es auch jede Menge, die auf YouTube & Co. privat von ihren Kreuzfahrten berichten. Kurzum: Es wird heute mehr gefilmt auf den Schiffen denn je. Und das kann dann auch mal Probleme mit sich bringen - wie dieser Fall aus den vergangenen Tagen von zwei britischen Kollegen zeigt.

Ben und David sind zwei extrem erfolgreiche Kreuzfahrt-YouTuber mit fast 250.000 Abonnenten - sie waren unlängst auf der MSC World Europa. Was sie von mir und den bekannteren deutschen Kreuzfahrt-Creatorn unterscheidet: Die beiden reisen für gewöhnlich nicht auf Einladung der Reederei. Sie lassen sich die Reisen und ihre Arbeit von ihren Followern bezahlen. Und dann gehen die beiden durchaus auch mal an Bord, ohne den Dreh anzumelden.

Weil sie sich aber offenbar auch in diesem Fall nicht mit MSC abgestimmt hatten vor ihrer Reise, führte das nun zu Problemen. Die beiden residierten in einer Suite im MSC Yacht Club - und filmten sich auch dort in den öffentlichen Bereichen gegenseitig - was wohl irgendwann anderen Gästen und dem Personal auffiel. Weil es wohl auch Beschwerden von mindestens einem Yacht-Club-Gast gegeben hatte, wurde den beiden an Bord verboten, weiter zu filmen. Ben und David berichteten in einem YouTube-Video darüber: „MSC Cruises hat uns vom Filmen abgehalten - Wurden wir zensiert?“ - in den ersten Tagen hieß es sogar „Wir wurden zensiert“ - ohne Fragezeichen, ein kleiner Unterschied. Fast 7000 Kommentare sind schon unter demYouTube-Video: Viele von ihnen bekräftigen, nie (wieder) mit MSC reisen zu wollen - ein gewaltiger Schaden!

Bin ich eigentlich auf der Seite der Kollegen? Nun ja…. Ich denke, es ist ist wichtig, wenn etwas geplant ist, was irgendwie nach Dreharbeiten aussieht, dass die Reederei Bescheid weiß. Ein Barkeeper beispielsweise, der irgendwelche Drehs beobachtet, der kann am Ende nicht beurteilen, was hier genau produziert wird (beispielsweise Kreuzfahrtbashing fürs Fernsehen, was eine Reederei gern vermeiden würde - oder ob es sich hier um Kreuzfahrt-YouTuber handelt).

Meiner Erfahrung geht es den Reedereien gar nicht darum, jede negative Äußerung zu vermeiden. Das ist in diesen Zeiten sowieso kaum möglich. Besonders konstruktive Kritik hilft ja schließlich auch das eigene Produkt zu verbessern. Ben und David bezahlen zwar ihre Reisen selbst, aber das bedeutet letzt nicht, dass keinerlei Regeln an Bord gelten - erst Recht nicht für gewerbliche YouTuber. Wer filmen möchte, ohne, dass darüber jemand Bescheid wissen muss, der wählt am Besten kein Kreuzfahrtschiff.

Gute Nachricht: Inzwischen haben sich die beiden YouTuber mit Vertretern von MSC getroffen und der Konflikt konnte gelöst werden - die beiden erhalten unter anderem ihren Reisepreis zurück, und sie sollen mitwirken an Richtlinien, mit denen künftig das Verhalten von Creatorn an Bord und der Umgang mit ihnen geregelt werden soll bei MSC - sicher keine schlechte Idee.

Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias

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