← Zum Archiv
Morrletter #58

Wo die Welt im Moment noch in Ordnung ist

17. Mai 2020

Ahoi, Ihr Lieben!

Die Welt ist im Moment eine andere - keine Frage. Aber in dieser Woche wurde mir bewusst, dass es für fast alle von uns einen Ort gibt, wo die Welt eigentlich noch so ist wie bisher - wo sie noch in Ordnung ist. Und zwar ist das unsere Wohnung oder unser Haus, wo wir leben.

Hier begegnet uns in der Regel niemand mit einer Mund-Nasen-Maske, auf dem Esstisch hat auch niemand eine Plexiglasscheibe aufgestellt. Wenn ich in meinem Kühlschrank gucke: Er ist wesentlich gefüllter als noch vor einem Vierteljahr, wo ich ein Leben geführt habe, das wesentlich unruhiger war. Ich bin auch - passend dazu - irgendwie häuslicher geworden. Ich backe plötzlich Kuchen, gare Fleisch und Fisch - unter Vakuum verpackt - stundenlang im Wasserbad. Der Schnellkochtopf kommt auch mal wieder zum Einsatz - wo mir selbst schnell früher noch zu langsam war.

Verlasse ich nun meine Wohnung, sieht alles ganz anders aus. Selbst draußen laufen Menschen mit Masken herum, im Hamburger Hauptbahnhof sind Läden und Gastronomiebetriebe verwaist - nicht mal Starbucks hat offen. Trostlos! Und ich kann es nicht von der Hand weisen: Diese Atmosphäre sorgt mal für Angst, mal für Beklemmungen - auf jeden Fall aber für schlechte Laune. Ganz ähnlich in den Läden - unter den aktuellen Bedingungen kann ich mir nicht vorstellen, dass nun viele in Einkaufslaune versetzt werden.

Jetzt haben zwar weitgehend die Restaurants wieder geöffnet - aber in den Restaurants ist die Welt eben auch nicht mehr in Ordnung. Wenn ich die Wahl habe, ob ich Zuhause in meiner heilen Welt etwas essen möchte oder ob ich mich von einem maskierten Kellner bedienen lassen möchte - dann ist für mich das Ganze eindeutig. Ich will ja nicht ständig daran erinnert werden, in was für einer Zelt wir leben Natürlich ziehe ich mein Zuhause vor. Für die Gastronomie eine Katastrophe - zumindest wenn viele so denken.

Nun gibt es ja Überlegungen der Reedereien, auch Kreuzfahrten anzubieten, wo dann eben Abstand gehalten werden soll, wo es keine Selbstbedienung am Buffet gibt, wo maskierte Kellner bedienen. Das ist total nachvollziehbar, denn was wäre im Moment die Alternative für die Unternehmen? Aufgeben ist für die Reedereien natürlich keine Option - und so müssen sie einen Weg finden, auch irgendwie in der Krise Kreuzfahrten anbieten zu können.

Nur eigentlich lebt ja Urlaub davon, dass ich es schöner habe als zu Hause. Besseres Wetter, besseres Essen, Drinks mit neuen Bekannten - die Liste ist lang. Wenn es nun aber so ist, dass - wie in Restaurants zu Hause - eher eine Atmosphäre herrscht, die mich ständig daran erinnert, dass wir in einer merkwürdigen Zeit leben, dann ist das ein Problem. Denn wenn wirklich mal das alte Sprichwort gilt „Zu Hause ist es doch am Schönsten“ - und zwar ganz ohne Ironie - dann ist das auch für den Tourismus eine Katastrophe.

Bis nächsten Sonntag - spätestens,
Matthias


Treibholz - Meine Fundstücke der Woche 

angsam wird der Tourismus in Deutschland wieder hochgefahren. Jürgen Drensek befürchtet in seinem Kommentar, dass Corona- Auflagen für Hoteliers beispielsweise alles andere als einladend auf Gäste wirken könnten, so dass sich die Unternehmer nicht zu früh freuen sollten…

Nun könnte dennoch Urlaub in Deutschland in diesem Jahr das große Thema werden - hier gibt’s einige augenzwinkernde Tipps, wo sich das Inland wie Ausland anfühlt.

Aktuell liegt MS Hamburg beim Blohm und Voss in Hamburg im Trockendock für Renovierungs- und Umbauarbeiten. Hier gibt’s einige Fotos zu sehen - inklusive toller Drohnen-Aufnahmen. Wenn nur der langsame Server nicht wäre…

Franz Neumeier hat ein Update geschrieben: Wie geht’s der Kreuzfahrt in der Corona-Krise im Mai 2020?

Und als ich den Morrletter am Freitag schon fertig hatte, hat er noch einen weiteren interessanten Artikel veröffentlicht - eine Übersicht über die Finanzlage der großen Kreuzfahrtkonzerne.

Über die „dramatische Lage der Kreuzfahrt Crew-Mitglieder“ in diesen Corona-Zeiten schreibt hier ein ehemaliges Crewmitglied, die heute noch Kontakt zu vielen Ex-Kollegen hat.

Und zumindest ein Text noch auf Englisch: Gene Sloan schreibt, warum er nicht mit Kreuzfahrt-Schnäppchen in der näheren Zukunft rechnet.

Anmeldung

Den nächsten Morrletter live im Postfach?

Trag dich ein — dann bist du beim nächsten Mal von Anfang an dabei.