← Zum Archiv
Morrletter #157

Wo Kreuzfahrtgäste mit Trinkgeld prassen

15. Oktober 2023

Ahoi, Ihr Lieben!

Wer auf Facebook Diskussionen über Kreuzfahrten verfolgt, der sieht dort eindeutig ein riesiges Oberthema, das alles zu dominieren scheint und das sich hinter vielen Fragen verbirgt. Es geht im weitesten Sinne häufig darum, wie man im Zusammenhang mit einer Kreuzfahrt Geld sparen kann. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Buchen? Darf die Reederei einfach so eine Servicegebühr einbehalten, oder kann man das streichen lassen? Gibt’s den Ausflug vielleicht noch billiger? Gilt das Getränkepaket auch in den Aufpreisrestaurants? Geht die Reise noch ins Vario?

Wer nun diese Diskussionen verfolgt, der könnte auf die Idee kommen, dass Kreuzfahrer möglicherweise besonders knauserig sind. Abgesehen davon, dass es sicherlich gut ist, Preise und Leistungen zwischen verschiedenen Anbietern zu vergleichen. Und auch abgesehen davon, dass Unternehmen in diesen Zeiten in vielfacher Hinsicht tricksen, um ihren Umsatz zu maximieren. Aber was bei den Diskussionen im Netz schnell in Vergessenheit gerät: Es gibt auch Menschen, die ganz anders denken.

Zufällig in meine Nachbarschaft ist ein junger Mann gezogen, um auf die Hotelfachschule zu gehen. Ihn hatte ich vergangenes Jahr auf der Mein Schiff 6 kennengelernt - an irgendeiner Stelle des Auslauf-Livestreams beim Schlagerliner ist er auch zu sehen. Damals hatte er Urlaub gemacht - aber eigentlich war er Kellner auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff. Und dort hatte er mit dem einen oder anderen Gast zu tun, dem solche Diskussionen auf Facebook wohl ganz besonders absurd erscheinen würden.

Als wir neulich spazieren gingen, erzählte er mir von einer Familie, die beim Mittagessen im Bedienrestaurant immer 50 Euro Trinkgeld gab. Und nicht nur das: Beim Abendessen gab es noch etwas mehr - stets eingeläutet übrigens mit einer Flasche Dom Pérignon (einem Champagner, ich würde es mal nicht zum notwendigen Allgemeinwissen zählen - liebevoll abgekürzt übrigens als „Dompi“).

Wobei „etwas mehr“ Trinkgeld noch untertrieben ist - die Familie gab am Abend stets 150 Euro. Nicht für den einen Kellner - das Ganze wurde geteilt vom Dreierteam, das für den Tisch zuständig war. Auch so etwas gibt es. Ein französischer Schriftsteller formulierte es mal so: „Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben.“

*

Von einem „jungen Mann“ zu schreiben fühlt sich übrigens etwas merkwürdig an, wenn man denn nämlich feststellt, mittlerweile weit davon entfernt zu sein. Es gibt andere, die sind mit 47 längst Großvater. Ich arbeite ja im Großraumbüro eines Coworking-Anbieters - und als ich dort neulich mit Kollegen über mein neues Lieblingsthema künstliche Intelligenz sprach, erzählte ich davon, wie mich der Trailer des neuen Pumuckl-Films fasziniert hatte.

Die Stimme des Kobolds - legendär gesprochen von Hans Clarin - wurde 18 Jahre nach dessen Tod mit Hilfe von KI nachgebildet. Ich fragte mich, ob Pumuckl bei den eher jüngeren Kollegen im Büro überhaupt bekannt ist - und fragte den Kollegen, den ich noch am ehesten meiner Altersgruppe zuordnete, wie alt er denn sei: 35, sagte er - auch erschreckend weit entfernt von meinen 47 Jahren. Aber zumindest auf manchen Kreuzfahrtschiffen kann ich mich weiterhin jung fühlen.

Bis in zwei Wochen - spätestens,
Matthias

Anmeldung

Den nächsten Morrletter live im Postfach?

Trag dich ein — dann bist du beim nächsten Mal von Anfang an dabei.